Ich hab‘ gestern hier wieder mal „interessante“ Kommentare zum Thema Klassenfahrt gelesen. Ein kleiner Einblick, was so eine Fahrt wirklich bedeutet – und wieso diese ständige Besserwisserei/Abwertung einem echt auf den 🍪 geht. 🧵#Klassenfahrt #Lehrer #Bildung #Lehrermangel 1/14
Eine Klassenfahrt ist kein Urlaub. Es ist Arbeit rund um die Uhr. Du bist Aufsichtsperson, Animateur, Seelsorger, Streitschlichter, Erste-Hilfe-Team – 24/7. Schlaf? Vielleicht 4 Stunden. Vielleicht auch gar nicht. 2/14
Du planst monatelang: Anfahrt, Unterkunft, Programm, Finanzen, Notfallpläne, Atteste, Packlisten… Du sammelst Medikamente ein, dokumentierst sie, gibst sie nach Plan aus – und haftest dafür. 3/14
Viele Kinder kommen an und können nicht mal ein Bett beziehen – obwohl im Elternbrief stand: „Bitte vorher mit Ihrem Kind üben.“ Also stehst du da, hilfst beim Bettlaken, sortierst Klamotten, suchst Zahnbürsten. 4/14
Und du haftest für alles: Wenn jemand trinkt, abhaut, sich verletzt, andere verletzt, klaut oder randaliert – du bist prinzipiell erst einmal verantwortlich. 5/14
Du bekommst Nachrichten wie: „Mein Kind mag kein Museum, können Sie was anderes machen?“ „Warum dürfen Handys nicht mit aufs Zimmer?“ „Wieso kostet das 150 € für fünf Tage?!“ „Können Sie mein Kind später dazuholen, wir feiern am Montag Geburtstag.“ 6/14
Für die Fahrt opferst du deine Freizeit in diesem Zeitraum. Es gibt keinen Freizeitausgleich. Mehrarbeit wird nicht bezahlt. Dafür volle Verantwortung – auch nachts, wenn jemand Heimweh hat, weint, Fieber kriegt oder Streit eskaliert. 7/14
Zurück an der Schule: Du bist müde, ausgelaugt, willst einfach nur nach Hause. Aber: Einige Eltern sind noch nicht da. Du wartest mit den letzten Kindern. 30, 45, 60 Minuten. Ohne Dank. „Sorry, Stau“, „musste noch einkaufen“, „war unterwegs“. 8/14
Und dann die Nachbereitung: Protokolle, Elternmails, evtl. Beschwerden. Manchmal ein Gespräch mit der Schulleitung: „Es gab wohl einen Vorfall mit XY – da müssen wir mal drüber reden.“ 9/14
Und ja: Viele Lehrer machen das trotzdem. Weil sie ihre Klasse mögen. Weil sie wissen, wie wichtig das soziale Lernen ist. Weil manche Kids da zum ersten Mal raus aus ihrem Alltag kommen. Aber die Frage ist: Wie lange noch? 10/14
Wenn Gesellschaft und Politik bei jeder Gelegenheit über Lehrkräfte herziehen, ihnen Faulheit oder Bequemlichkeit unterstellen – dann ist es kein Wunder, dass viele sagen: „Ich mache das nicht mehr.“ 11/14
Was helfen würde: ✅ Wertschätzung ✅ klare Regeln & Rückendeckung ✅ faire Bezahlung ✅ bessere rechtliche Absicherung ✅ und ein realistischer Blick auf das, was Lehrerinnen und Lehrer wirklich leisten. 12/14
Ja: zum Glück gibt es viele Eltern, die mit uns an einem Strang ziehen, die verständnisvoll sind und dankbar, dass wir den Kindern etwas bieten wollen. Eine Minderheit reicht, um die Arbeit zu verdreifachen oder für Ärger/Gram zu sorgen. 13/14
Fazit: Wenn weniger Lehrkräfte Klassenfahrten machen wollen oder diese zwar der Schüler zuliebe durchführen, aber dann über die Schwierigkeiten sprechen, ist das kein Luxusproblem. Es ist ein Symptom. Und statt zu bashen, sollte man fragen: Was läuft eigentlich falsch? 14/14
P.S. Weil das Eingangsbild manche mehr triggert als der Inhalt. Quelle: https://de.pinterest.com/pin/7... (Symbolbild, humorvoll) Und vorbeugend: auch andere Berufe sind herausfordernd. Lehrer sind nicht unfehlbar usw. usw.


