Gehen wir zur ukrainischen Operation "Netz" mal etwas in die Details, was wir da überhaupt sehen durften: Durch Ende des Kalten Krieges und dem Krieg gegen den Terror hat die Generation Telespiel über die Medien ein recht unzutreffendes Bild von Spezialkräften erhalten 1/x
der Eindruck der klassischen muskelbepackten Nussknacker mit high-tech-Bewaffnung Dieses Bild hat sich so auch in den Leitungsebenen der Ministerien und Stäbe manifestiert. Dagegen sah das im Zweiten Weltkrieg, wo diese Konzepte intensiv genutzt wurden, "anders" aus: 2/x
und je wichtiger die Aufgaben wurden, umso komischere Vögel wurden beauftragt Der Tüpi im britischen Palästina ernährte sich überwiegend von rohen Zwiebeln, bei jeder Gelegenheit, ein veritabler Riss im Plätzchen war quasi Bedingung für den Job 3/x
Allerdings gab es da eben auch Berufsprofile via SOE und OSS, die eben gerade nicht "militärisch" waren Beschreiben wir es einfach als "verdeckte Kampfführung", etwa die Ausbildung von Partisanen, deren Versorgung, Informationsgewinnung, etc 4/x
Da sind dann durchaus mal alte Männer des Calcutta Light Horses Club mit einem Seelenverkäufer ein Mal um Indien rumgefahren und haben deutsche Schiffe im neutralen Goa erfolgreich angegriffen Legendäre Operation der SOE, siehe hier: 5/x https://en.wikipedia.org/wiki/...
und genau das hat bei "Netz" stattgefunden. Über ein Jahr Vorbereitung, da sind vollkommen unverdächtige Kräfte eingesickert nach Russland und haben vor Ort die benötigte Infrastruktur aufgebaut 6/x
die haben Wohnungen besorgen müssen, die hatten ganz normale Jobs, die haben sich integriert, inklusive Sozialleben und niemand hat etwas bemerkt Ein Jahr ohne Familie, nicht zuhause anrufen können, komplett andere Identitäten 7/x
in der Zeit haben sie ihre Ziele aufgeklärt, sind ihre Fluchtwege mit der Stoppuhr abgefahren, haben die Fahrzeuge besorgt Da sind Leute vielleicht 300 Mal mit ihrem Dackel Gassi gegangen und haben unbemerkt Fotos gemacht für den Job 8/x
Das machste nicht mit Nussknacker, solche Jobs machen dann die gemütliche Omi Ende 50 mit Plautze und Pudelfrisur, von deren Vorleben die letzten 30 Jahre niemand jemals etwas ahnen würde 9/x
und solche Teams wurden dann quer durch Russland koordiniert und synchron eingesetzt Wohl eher nicht über digitale Kommunikation, derart abgetarnt lief das wohl eher über tote Briefkästen und eine geheimdienstliche Infrastruktur vor Ort 10/x
das reichte bei Weitem nicht aus, mal ein paar Leute und einige Drohnen nach Russland zu bringen Das war hochkomplex, extrem anspruchsvoll - und direkt vor den Augen der russischen Sicherheitsdienste 11/x
Daraus hat der Westen auch zu lernen, das ist auf unserer Seite eine gewisse Fähigkeitenlücke und das Thema wurde weitestgehend verdrängt Wobei diese Tür in beide Richtungen schwingt: 12/x
es geht nicht allein um die Fähigkeit zu einem solchen Handwerk, es geht auch um die Fähigkeit, solche Handwerker der Gegenseite rechtzeitig identifizieren zu können Wir sind da zu "konservativ" orientiert 13/x
Und was die eingesetzten Kräfte in Russland betrifft: Es ist Montagmorgen, die sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ganz normal zur Arbeit gegangen, führen die Dackel aus und grinsen nach innen 14/14

